Versicherungsbetrug: Die Aufklärungsquoten steigen

Wenn es darum geht, die Versicherung für Schäden aufkommen zu lassen, zeigen sich die Deutschen kreativ und großzügig bei der Wahrheit. So werden selbstverursachte Schäden häufig von Freunden übernommen, die ihre Haftpflicht- oder KFZ-Versicherung dafür aufkommen lassen. Doch in den letzten Jahren ist die Aufklärungsquote bei versuchtem Versicherungsbetrug gestiegen.

Ein klassisches Szenario: Beim Hausputz stößt man versehentlich mit dem Hintern den neuen Flachbildfernseher um, der jetzt auf einem sehr niedrigen Podest steht und nicht mehr wie früher die gute alte Röhre im eigenen Fernsehschrank. Der Hersteller übernimmt keine Reparaturkosten auf Garantie wenn es sich um selbstverschuldete Unfälle handelt und der Griff ins eigene Portemonnaie schmerzt. Wie gut, dass es den Nachbarn gibt, der sich bereit erklärt, die Schuld auf sich zu nehmen. Er meldet seiner Haftpflichtversicherung, dass er versehentlich bei einem feuchtfröhlichen Abend den besagten Fernseher umgestoßen habe – und die Versicherung übernimmt die Reparaturkosten.

Versicherungen überprüfen Schadensmeldungen immer häufiger

Viele Menschen denken sich nichts dabei, die Versicherung auf diese Art zu betrügen. Schließlich zahlen sie seit Jahren ihre Beiträge und haben noch nie etwas von der Summe zurückbekommen. Oder? Die Versicherungen wehren sich immer häufiger gegen Schadensmeldungen, vor allem aus dem Elektronikbereich. Dort stiegen die Meldungen nämlich dank der vielen neuen Gadgets wie Flachbildfernseher, Handy, Computer und Konsole am stärksten an. Die frühere Wertgrenze, unter der keine Plausibilitätsprüfungen durchgeführt wurden, ist abgeschafft worden. Außerdem werden immer häufiger Sachverständige hinzugezogen oder eine Detektei mit Nachforschungen beauftragt um Versicherungsbetrügern auf die Schliche zu kommen.

Erwischte Betrüger verlieren ihren Versicherungsschutz

Insgesamt schätzen die Versicherungen, dass etwa 10 Prozent aller Schadensmeldungen fingiert sind. Dies ist im Jahr eine stattliche Summe von ungefähr 4 Milliarden Euro. Da ist das Geld in eine Detektei oder in ein Sachverständigenbüro gut investiert, um häufiger Betrüger zu erwischen. Wer beim Versicherungsbetrug erwischt wurde, verliert nicht nur seinen Versicherungsschutz, sondern erhält auch eine Rechnung über das Sachverständigengutachten oder den Bericht der Detektei.

Letztere werden jedoch eher selten bei Privatpersonen eingesetzt, die ein kaputtes Handy melden, sondern eher für kriminelle Organisationen, die Versicherungsbetrug auf professioneller Basis betreiben. Dazu gehören beispielsweise sogenannte “Autobumser”, die absichtlich Verkehrsunfälle herbeiführen, damit der Schaden am Auto des “Opfers” der Versicherung gemeldet werden kann. Bei den weit verbreiteten Schadensmitteilungen zu kaputten Elektronikgeräten reicht es gewöhnlich einen Gutachter einzuschalten, der schnell feststellen kann, dass der geschilderte Unfallhergang niemals zu den entstandenen Schäden passt.

Wer mit dem Gedanken an Versicherungsbetrug spielt, sollte sich immer vor Augen halten, dass er auch bei einem Erfolg am Ende draufzahlt: Wenn nämlich die Versicherung aufgrund gestiegener Kosten wieder einmal die Beiträge erhöht.

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 17. Januar 2012 um 12:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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